What the f***
Sorry, but this post will be in German.
Als ich den Artikel gelesen habe, konnt ich es erst nicht fassen, dass ein normaler Journalist so etwas schreiben kann. Leider gibt es... in diesem Fall... Meinungsfreiheit. Er kann seine Meinung gerne kund tun, aber bitte in einem angemessenen Stil und objektiv.
Nach zwei Wochen Korea hat man nicht das Recht so über das Land abzulästern.
Der Artikel, der jetzt folgt, wurde anlässlich der Frankfurter Buchmesse, bei der Korea das Ehrenland ist, verfasst.
Was würden wir Deutschen sagen, wenn jemand so über unser Land lästern würde?!
So, hier der Artikel. Bitte glaubt nicht alles was da drin steht... und vor allem, es gibt auch genügend positive Dinge, die das Land zu bieten hat.
Buchmesse in Frankfurt
Wir tun hier keinem was zuliebe
Südkorea ist kein schönes Land. Denn dort, wo der Mensch Hand angelegt hat, sieht es furchtbar aus. Die Städte machen den Eindruck, als hätten zwei bitter verfeindete Architektenlager gegeneinander Krieg geführt. Hässlich also prsäsentiert sich das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Von CHRISTIAN Y. SCHMIDT
Groß wie Garagentore sind die Brockhaus-Bände, die auf der Frankfurter Buchmesse zu sehen sein werden.Foto: dpa
Südkorea ist kein schönes Land. Damit meinen wir nicht die Landschaft. Die geht in Ordnung. Siebzig Prozent des Südens der koreanischen Halbinsel ist von sanften Hügeln bedeckt und bewaldet. Aber dort, wo der Mensch Hand angelegt hat, sieht es furchtbar aus. Die Städte machen den Eindruck, als hätten zwei bitter verfeindete Architektenlager gegeneinander Krieg geführt. Die eine Partei baute viel zu große Kaufhausklötze ohne Fenster, unproportionierte Kirchen (25 Prozent der Südkoreaner sind Christen) und große Hochhauszusammenrottungen, die andere Hochzeithallen mit angeklebten Säulen, so genannte "Love-Motels", geschmückt mit Zinnen, Erkerchen und Türmchen, und Nachtclubs, die "President Club", "Zeus" oder "The White House" heißen, mit Gips-Posaunenengeln oder Abraham Lincoln vor dem Eingang. Nicht weniger hässlich sieht es auf dem Land aus, das heißt, in den Tälern zwischen den Bergen. Die sind übersät mit blau bedachten Fabrikhallen und unansehnlichen Schuhkartonhäusern, noch schlimmeren, weil größeren Kirchen, zwischen denen sich Planierraupen durch den Schlamm wühlen, um noch mehr Autobahnkreuze in die Landschaft zu planieren. So wirkt das ganze Land: als komme es nicht so darauf an. Jedenfalls hat die Koreaner ihre Geschichte gelehrt: Nichts, was wir bauen, hat Bestand. Vierzehn Tage reisten wir durchs Land und fanden doch kein einziges authentisches, historisches Bauwerk; jedes ist eine Rekonstruktion aus den letzten 30 Jahren. Der prächtige Gyeonbok-Palast in Seoul etwa, der sich uns im schönsten Sonnenlicht vor der Kulisse des Bugak-Berges präsentiert. Ein Schild belehrt uns: "Erbaut 1394 unter König Taejo, niedergebrannt während der japanischen Invasion von 1592, Wiederaufbau seit 1865, zu großen Teilen erneut zerstört während der japanischen Kolonialherrschaft (1910- 1945)." Auch der in einem großen Park gelegene Changdeok-Palast (1412 vollendet, seit 1997 Weltkulturerbe), wurde mehrmals komplett demoliert; zwischenzeitlich hatten die japanischen Besatzer den Park sogar in einen Zoo verwandelt. Wie in der Hauptstadt, so auch im Rest des Landes: Die Haupthalle des einsam gelegenen Waldklosters Haeinsa aus dem 9. Jahrhundert brannten die japanischen Invasoren 1592 nieder. Der kleine Hongje-Tempel in der Nachbarschaft wurde insgesamt sechs Mal zerstört. Im Garten stand ein Gedenkstein für den ehemaligen Abt. Noch 1943 ließ ihn ein japanischer Bezirkspolizeichef zertrümmern. Ohne Wiederaufbau erinnerten heute wohl nur noch die gewaltigen Grabhügel ihrer Könige an die Hauptstadt des mächtigen Silla-Reiches (57 vor bis 935 nach Christus), Gyeongju, die zu ihrer Blütezeit eine Million Einwohner zählte. Die älteste Steinpagode Koreas stand hier - bis die Japaner sie 1915 zerstörten. Die Koreaner haben in ihrer Geschichte viel Pech gehabt, wohl mehr als alle anderen Nationen Ostasiens. Das liegt hauptsächlich an der geografischen Lage der Halbinsel, die umzingelt ist von den Regionalmächten China und Japan. Noch vor den Japanern kamen 1392 die Mongolen, auch sie ließen das Land nicht ungeschoren. Nach der japanischen Kolonialherrschaft verwüstete der Korea-Krieg das Land noch einmal. Er kostete rund zwei Millionen Koreanern das Leben. Da mag man die Lust an Stadt- und Landschaftsplanung sowie am schönen Bauen schon verlieren. Die Kriegs- und Zerstörungserfahrungen scheinen aber noch andere Spuren in der Nationalpsyche hinterlassen zu haben. Auf unserer Reise fällt uns die allgemeine Ängstlichkeit der Südkoreaner auf, ein Sicherheitsstreben, das, zumindest in unseren Augen, zuweilen wahnhafte Züge annimmt. Damit meinen wir nicht die Grenzsicherungsanlagen entlang des 38. Breitengrads, die bereits am Stadtrand von Seoul beginnen. Auf unserer Fahrt in die so genannte demilitarisierte Zone - die alles ist, nur nicht demilitarisiert - passieren wir immer wieder Stacheldrahtabsperrungen, Wachtürme Panzersperren und Autobahnbrücken, die sich auf Knopfdruck in die Luft sprengen lassen. Diese Anlagen mögen ihre Berechtigung haben, gab es doch noch bis in die jüngste Zeit hinein diverse Infiltrationsversuche des Nordens. Nein, was wir zu beobachten glauben, ist eine Übervorsichtigkeit, die sich in den Lebensalltag eingeschlichen hat. Da gibt es große Piktogramme in der Seouler U-Bahn, die den Passanten genauestens instruieren, wie er Rolltreppe zu fahren hat: Am Handlaufband festhalten, Kinder an die Hand, Vorsicht mit Stöckelschuhen, niemals rennen. In jeder Station findet man versiegelte Sets mit Taschenlampen an den Wänden, falls mal der Strom ausfallen sollte. Auf einem U-Bahnsteig in Busan fällt uns ein gelb lackierter Glasschrank auf, der mit Gasmasken gefüllt ist. Und in der brandneuen U-Bahn von Gwangju werden Kinderzeichnungen ausgestellt, die in lustig-brutaler Deutlichkeit zeigen, was passieren kann, wenn Menschen ihre Finger in die Steckdose stecken. Nach nur ein paar Tagen im Land sind wir fest davon überzeugt, dass die Koreaner ständig irgendeine Katastrophe fürchten und dafür jede erdenkliche Vorsorgemaßnahme treffen. In unserem Hotel in Gwangju entdecken wir einen an die Wand montierten Kasten, auf dem "Fire Escape Device" steht. Er enthält ein Seil plus Karabinerhaken, mit dem man sich im Notfall aus dem Fenster abseilen kann, dazu Gebrauchsanweisungen in einigen Weltsprachen, darunter auch in Deutsch ("Wenn dessen Seil mehr als ein Meter von der Fallpunkt glost worden ist, dar man den lift nicht gebrauchen"). In den Seouler Straßen stehen das ganze Jahr über mit Streusandsäcken gefüllte Gitterboxen, als fürchte man, der Winter könne jeder Zeit hereinbrechen, auch in den schwülheißen Sommertagen. Damit den Umspannkästen auf den Bürgersteigen auch wirklich nichts passiert, wurden sie mit genopptem Weichplastik ummantelt. Und selbst auf die entlegensten Zebrastreifen haben die Koreaner Pfeile malen lassen, die einem die Gehrichtung vorschreiben, wohl um einem eventuellen Zusammenprall der querenden Passanten vorzubeugen. Überhaupt der Straßenverkehr: Besonders uns, die wir die anarchischen Verhältnisse in China gewohnt sind, fällt hier die Übervorsicht auf. Die Koreaner überqueren die Straße nur an den vorgeschriebenen Überwegen, und gehen niemals, wirklich niemals, bei Rot über die Ampel. Alle Autofahrer befolgen geradezu sklavisch die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Genauso pedantisch-ängstlich halten sie sich übrigens auf einem ganz anderen Gebiet an die Vorschriften. Koreanische Pornos, im ganzen Land über Kabel zu empfangen, zeigen zwar durchaus Hardcore-Aktionen. Die hiesige Zensur schreibt aber offenbar vor, dass dabei auch nicht die Andeutung eines primären Geschlechtsteils im Bild erscheinen darf - als bräche bei dem Anblick eines Penisfitzelchen ganz Korea zusammen. Verkrampftere Sexfilmchen sah man noch nie. "The Paranoid Peninsula" heißt ein Buch, das der britische Koreakenner Paul French jüngst veröffentlichte. Es handelt eigentlich von Nordkorea. Wir müssen ergänzen: Paranoid ist man auch im Süden. Ein Teil der Bevölkerung scheint das nicht auszuhalten. Noch nie sahen wir in Asien so viele bis zur Besinnungslosigkeit Betrunkene auf der Straße. Zum gemäßigt paranoiden Nationalcharakter passt auch das Bild, das sich die Südkoreaner von sich selber machen. Es ist das einer Comicfigur mit großen, weit aufgerissenen Augen und einem Kindergesicht auf einem Kinderkörper. Wir finden dieses Selbstporträt auf Hinweisschildern vor Baustellen, wo ordentlich gescheitelte Kinderbauarbeiter an die vorgeschriebene Sicherheitskleidung erinnern, auf Wegweisern im Wald, auf denen kleine Wandersmänner fröhlich vor sich hinstapfen, oder auf einer Tafel auf dem Busbahnhof von Gwangju, mit der ein Zwergenärzteteam für seine Klinik Werbung macht. Lachende Comicmännchen und -frauchen, geformt aus Stein, Stahl oder Pflanzen, stehen an jeder dritten Straßenkreuzung, vor Ticketbuden und Bahnhöfen, sind auf Mülleimer und Parkplatzschilder gemalt. Selbst ihre alten Silla-Könige, die das Land einst einten, machen die Koreaner klein: Am Eingang zum großen Hügelgräberfeld in Gyeongju stehen kulleräugige Holzfiguren eines Kinderkönigs und einer Kinderkönigin, mit viel zu großem Kopf, darauf eine Krone. Heißen soll das alles wohl: Wir sind niedlich, wir sind harmlos, wir tun keinem was zu Leide. Lasst uns bitte endlich mal in Frieden leben. Das ist nun wirklich nicht zu viel verlangt. Und so wollen auch wir nicht zu harsch über die Südkoreaner urteilen, und ihnen noch mal verzeihen, dass sie ihr Land so verschandelt haben. Allerdings könnten sie bei Gelegenheit noch mal über die Bebauung drüber gehen. Möglicherweise steht ja dieses Mal doch alles etwas länger.
Als ich den Artikel gelesen habe, konnt ich es erst nicht fassen, dass ein normaler Journalist so etwas schreiben kann. Leider gibt es... in diesem Fall... Meinungsfreiheit. Er kann seine Meinung gerne kund tun, aber bitte in einem angemessenen Stil und objektiv.
Nach zwei Wochen Korea hat man nicht das Recht so über das Land abzulästern.
Der Artikel, der jetzt folgt, wurde anlässlich der Frankfurter Buchmesse, bei der Korea das Ehrenland ist, verfasst.
Was würden wir Deutschen sagen, wenn jemand so über unser Land lästern würde?!
So, hier der Artikel. Bitte glaubt nicht alles was da drin steht... und vor allem, es gibt auch genügend positive Dinge, die das Land zu bieten hat.
Buchmesse in Frankfurt
Wir tun hier keinem was zuliebe
Südkorea ist kein schönes Land. Denn dort, wo der Mensch Hand angelegt hat, sieht es furchtbar aus. Die Städte machen den Eindruck, als hätten zwei bitter verfeindete Architektenlager gegeneinander Krieg geführt. Hässlich also prsäsentiert sich das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Von CHRISTIAN Y. SCHMIDT
Groß wie Garagentore sind die Brockhaus-Bände, die auf der Frankfurter Buchmesse zu sehen sein werden.Foto: dpa
Südkorea ist kein schönes Land. Damit meinen wir nicht die Landschaft. Die geht in Ordnung. Siebzig Prozent des Südens der koreanischen Halbinsel ist von sanften Hügeln bedeckt und bewaldet. Aber dort, wo der Mensch Hand angelegt hat, sieht es furchtbar aus. Die Städte machen den Eindruck, als hätten zwei bitter verfeindete Architektenlager gegeneinander Krieg geführt. Die eine Partei baute viel zu große Kaufhausklötze ohne Fenster, unproportionierte Kirchen (25 Prozent der Südkoreaner sind Christen) und große Hochhauszusammenrottungen, die andere Hochzeithallen mit angeklebten Säulen, so genannte "Love-Motels", geschmückt mit Zinnen, Erkerchen und Türmchen, und Nachtclubs, die "President Club", "Zeus" oder "The White House" heißen, mit Gips-Posaunenengeln oder Abraham Lincoln vor dem Eingang. Nicht weniger hässlich sieht es auf dem Land aus, das heißt, in den Tälern zwischen den Bergen. Die sind übersät mit blau bedachten Fabrikhallen und unansehnlichen Schuhkartonhäusern, noch schlimmeren, weil größeren Kirchen, zwischen denen sich Planierraupen durch den Schlamm wühlen, um noch mehr Autobahnkreuze in die Landschaft zu planieren. So wirkt das ganze Land: als komme es nicht so darauf an. Jedenfalls hat die Koreaner ihre Geschichte gelehrt: Nichts, was wir bauen, hat Bestand. Vierzehn Tage reisten wir durchs Land und fanden doch kein einziges authentisches, historisches Bauwerk; jedes ist eine Rekonstruktion aus den letzten 30 Jahren. Der prächtige Gyeonbok-Palast in Seoul etwa, der sich uns im schönsten Sonnenlicht vor der Kulisse des Bugak-Berges präsentiert. Ein Schild belehrt uns: "Erbaut 1394 unter König Taejo, niedergebrannt während der japanischen Invasion von 1592, Wiederaufbau seit 1865, zu großen Teilen erneut zerstört während der japanischen Kolonialherrschaft (1910- 1945)." Auch der in einem großen Park gelegene Changdeok-Palast (1412 vollendet, seit 1997 Weltkulturerbe), wurde mehrmals komplett demoliert; zwischenzeitlich hatten die japanischen Besatzer den Park sogar in einen Zoo verwandelt. Wie in der Hauptstadt, so auch im Rest des Landes: Die Haupthalle des einsam gelegenen Waldklosters Haeinsa aus dem 9. Jahrhundert brannten die japanischen Invasoren 1592 nieder. Der kleine Hongje-Tempel in der Nachbarschaft wurde insgesamt sechs Mal zerstört. Im Garten stand ein Gedenkstein für den ehemaligen Abt. Noch 1943 ließ ihn ein japanischer Bezirkspolizeichef zertrümmern. Ohne Wiederaufbau erinnerten heute wohl nur noch die gewaltigen Grabhügel ihrer Könige an die Hauptstadt des mächtigen Silla-Reiches (57 vor bis 935 nach Christus), Gyeongju, die zu ihrer Blütezeit eine Million Einwohner zählte. Die älteste Steinpagode Koreas stand hier - bis die Japaner sie 1915 zerstörten. Die Koreaner haben in ihrer Geschichte viel Pech gehabt, wohl mehr als alle anderen Nationen Ostasiens. Das liegt hauptsächlich an der geografischen Lage der Halbinsel, die umzingelt ist von den Regionalmächten China und Japan. Noch vor den Japanern kamen 1392 die Mongolen, auch sie ließen das Land nicht ungeschoren. Nach der japanischen Kolonialherrschaft verwüstete der Korea-Krieg das Land noch einmal. Er kostete rund zwei Millionen Koreanern das Leben. Da mag man die Lust an Stadt- und Landschaftsplanung sowie am schönen Bauen schon verlieren. Die Kriegs- und Zerstörungserfahrungen scheinen aber noch andere Spuren in der Nationalpsyche hinterlassen zu haben. Auf unserer Reise fällt uns die allgemeine Ängstlichkeit der Südkoreaner auf, ein Sicherheitsstreben, das, zumindest in unseren Augen, zuweilen wahnhafte Züge annimmt. Damit meinen wir nicht die Grenzsicherungsanlagen entlang des 38. Breitengrads, die bereits am Stadtrand von Seoul beginnen. Auf unserer Fahrt in die so genannte demilitarisierte Zone - die alles ist, nur nicht demilitarisiert - passieren wir immer wieder Stacheldrahtabsperrungen, Wachtürme Panzersperren und Autobahnbrücken, die sich auf Knopfdruck in die Luft sprengen lassen. Diese Anlagen mögen ihre Berechtigung haben, gab es doch noch bis in die jüngste Zeit hinein diverse Infiltrationsversuche des Nordens. Nein, was wir zu beobachten glauben, ist eine Übervorsichtigkeit, die sich in den Lebensalltag eingeschlichen hat. Da gibt es große Piktogramme in der Seouler U-Bahn, die den Passanten genauestens instruieren, wie er Rolltreppe zu fahren hat: Am Handlaufband festhalten, Kinder an die Hand, Vorsicht mit Stöckelschuhen, niemals rennen. In jeder Station findet man versiegelte Sets mit Taschenlampen an den Wänden, falls mal der Strom ausfallen sollte. Auf einem U-Bahnsteig in Busan fällt uns ein gelb lackierter Glasschrank auf, der mit Gasmasken gefüllt ist. Und in der brandneuen U-Bahn von Gwangju werden Kinderzeichnungen ausgestellt, die in lustig-brutaler Deutlichkeit zeigen, was passieren kann, wenn Menschen ihre Finger in die Steckdose stecken. Nach nur ein paar Tagen im Land sind wir fest davon überzeugt, dass die Koreaner ständig irgendeine Katastrophe fürchten und dafür jede erdenkliche Vorsorgemaßnahme treffen. In unserem Hotel in Gwangju entdecken wir einen an die Wand montierten Kasten, auf dem "Fire Escape Device" steht. Er enthält ein Seil plus Karabinerhaken, mit dem man sich im Notfall aus dem Fenster abseilen kann, dazu Gebrauchsanweisungen in einigen Weltsprachen, darunter auch in Deutsch ("Wenn dessen Seil mehr als ein Meter von der Fallpunkt glost worden ist, dar man den lift nicht gebrauchen"). In den Seouler Straßen stehen das ganze Jahr über mit Streusandsäcken gefüllte Gitterboxen, als fürchte man, der Winter könne jeder Zeit hereinbrechen, auch in den schwülheißen Sommertagen. Damit den Umspannkästen auf den Bürgersteigen auch wirklich nichts passiert, wurden sie mit genopptem Weichplastik ummantelt. Und selbst auf die entlegensten Zebrastreifen haben die Koreaner Pfeile malen lassen, die einem die Gehrichtung vorschreiben, wohl um einem eventuellen Zusammenprall der querenden Passanten vorzubeugen. Überhaupt der Straßenverkehr: Besonders uns, die wir die anarchischen Verhältnisse in China gewohnt sind, fällt hier die Übervorsicht auf. Die Koreaner überqueren die Straße nur an den vorgeschriebenen Überwegen, und gehen niemals, wirklich niemals, bei Rot über die Ampel. Alle Autofahrer befolgen geradezu sklavisch die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Genauso pedantisch-ängstlich halten sie sich übrigens auf einem ganz anderen Gebiet an die Vorschriften. Koreanische Pornos, im ganzen Land über Kabel zu empfangen, zeigen zwar durchaus Hardcore-Aktionen. Die hiesige Zensur schreibt aber offenbar vor, dass dabei auch nicht die Andeutung eines primären Geschlechtsteils im Bild erscheinen darf - als bräche bei dem Anblick eines Penisfitzelchen ganz Korea zusammen. Verkrampftere Sexfilmchen sah man noch nie. "The Paranoid Peninsula" heißt ein Buch, das der britische Koreakenner Paul French jüngst veröffentlichte. Es handelt eigentlich von Nordkorea. Wir müssen ergänzen: Paranoid ist man auch im Süden. Ein Teil der Bevölkerung scheint das nicht auszuhalten. Noch nie sahen wir in Asien so viele bis zur Besinnungslosigkeit Betrunkene auf der Straße. Zum gemäßigt paranoiden Nationalcharakter passt auch das Bild, das sich die Südkoreaner von sich selber machen. Es ist das einer Comicfigur mit großen, weit aufgerissenen Augen und einem Kindergesicht auf einem Kinderkörper. Wir finden dieses Selbstporträt auf Hinweisschildern vor Baustellen, wo ordentlich gescheitelte Kinderbauarbeiter an die vorgeschriebene Sicherheitskleidung erinnern, auf Wegweisern im Wald, auf denen kleine Wandersmänner fröhlich vor sich hinstapfen, oder auf einer Tafel auf dem Busbahnhof von Gwangju, mit der ein Zwergenärzteteam für seine Klinik Werbung macht. Lachende Comicmännchen und -frauchen, geformt aus Stein, Stahl oder Pflanzen, stehen an jeder dritten Straßenkreuzung, vor Ticketbuden und Bahnhöfen, sind auf Mülleimer und Parkplatzschilder gemalt. Selbst ihre alten Silla-Könige, die das Land einst einten, machen die Koreaner klein: Am Eingang zum großen Hügelgräberfeld in Gyeongju stehen kulleräugige Holzfiguren eines Kinderkönigs und einer Kinderkönigin, mit viel zu großem Kopf, darauf eine Krone. Heißen soll das alles wohl: Wir sind niedlich, wir sind harmlos, wir tun keinem was zu Leide. Lasst uns bitte endlich mal in Frieden leben. Das ist nun wirklich nicht zu viel verlangt. Und so wollen auch wir nicht zu harsch über die Südkoreaner urteilen, und ihnen noch mal verzeihen, dass sie ihr Land so verschandelt haben. Allerdings könnten sie bei Gelegenheit noch mal über die Bebauung drüber gehen. Möglicherweise steht ja dieses Mal doch alles etwas länger.

3 Comments:
I can't understand it
anyway..
Do you know about marlboro?
It means...
Man Always Remember Love Because Of Romance Over
사랑해~ 멜라니~
Hi Mel
the article doesn´t seem to favor Korea...anyway my Marketingstrategy for the United Nation is finished it is going to be presented at the Congress in Brasil *pride*unfortunately without me :-(.
My new project is to do the marketing for the new Korean language course at the University....!!!!!!!!!!
ohhh by the way it´s Alexa
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